Presseerklärung vom 7. Juni 2002:
377 Millionen Europäer haben ein Recht auf Information!
Greenpeace demonstriert bei EU-Energieministertreffen in Luxembourg für
Stromkennzeichnung
Luxembourg, 7.6.2002 – Anlässlich der EU-Energieministerkonferenz
demonstriert Greenpeace heute in Luxembourg für eine gesetzlich vorgeschriebene
Stromkennzeichnung. 18 Aktivisten bauen vor Ort ein rund 3,5 Meter hohes
Fragezeichen auf und fordern von den 15 anwesenden EU-Ministern, eine
gesetzliche Kennzeichnungspflicht einzuführen. Auf mehreren Transparenten steht
in verschiedenen EU-Sprachen: „Mein Strom: dreckig oder sauber? 377 Millionen
Europäer haben ein Recht auf Information!“. Die Minister diskutieren auf ihrem
Treffen die Details einer neuen europäischen Richtlinie für die Öffnung des
Strommarktes. Im derzeit gültigen Entwurf des EU-Parlaments wird eine
gesetzliche Kennzeichnungspflicht in standardisierter Form gefordert.
„Es wäre ein Skandal, wenn den Menschen in Europa auf ihrer Stromrechnung das
Recht auf Information vorenthalten werden sollte“, so Roger Spautz von
Greenpeace Luxembourg. „Jeder Verbraucher muss von seinem Energieversorger klare
Angaben darüber bekommen, welche Art von Strom eingekauft wird.“
In Luxemburg werden ab Anfang nächsten Jahres auch verschiedene Gemeinden die
Möglichkeit haben ihren Strom auf dem freien Markt einzukaufen. Bis jetzt werden
die Stromkunden in Luxemburg nicht darüber informiert, welchen Strom sie von der
Cegedel oder ihren Stadtwerken geliefert bekommen und wie hoch die
Umweltbelastung ist.
Im Internet hat Greenpeace heute einen
Vorschlag veröffentlicht, wie künftig die Erzeugungsart des Stromes, die
damit verbundenen Umweltauswirkungen (Kohlendioxidemission, Atommüllproduktion)
sowie das Herkunftsland auf jeder Stromrechnung übersichtlich grafisch
dargestellt werden kann. Neben den Angaben zur Herkunft des Stromes und den
damit verbundenen Umweltauswirkungen, sieht der Entwurf auch eine klare Angabe
zum Strompreis vor. Der Gesamtstrompreis soll demnach inklusive aller Gebühren
und Abgaben vergleichbar und klar angegeben werden. Darüber hinaus wird der
Stromverbrauch des jeweiligen Kunden mit einem stromsparenden Haushalt gleichen
Typs verglichen, so dass der Kunde damit auf einen Blick sehen kann, ob es für
ihn Möglichkeiten zum Einsparen gibt.
„Nur wenn klar verständliche Informationen auf der Stromrechnung erkennbar
sind, kann sich der Verbraucher wirklich zwischen den verschiedenen Tarifen
entscheiden. Nur dann macht eine Liberalisierung des europäischen Strommarktes
Sinn“, so Spautz.
Das Europäische Parlament hatte im März 2002 detaillierte Vorschläge für eine
Stromkennzeichnungspflicht gemacht. Die Stromversorger sollen den Kunden in
Zukunft sowohl auf der Rechnung als auch im Werbematerial klare Angaben dazu
machen, mit welchen Energieträgern der Strom produziert wurde.