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Die Auswirkungen der Klimaveränderungen:

Eindeutige Beweise für die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen

Inhalt:

bulletDie Menschheit verheizt die Zukunft
bulletKlimabeobachtungen in der Arktis
bulletEuropa: trocken und heiß oder "Land unter"
bulletAmerika
bulletChina und Afrika
bulletErwärmung der Meere
bulletKorallensterben
bulletEl Niño
bulletAusbreitung von Krankheiten
bulletAntarktis : das "ewige Eis" des siebten Kontinents zerfällt

"Es ist vermessen zu behaupten, daß die Menschheit aufgrund ihrer Intelligenz jederzeit dazu fähig sein wird, die Schäden, die im Namen des Fortschritts angerichtet wurden, zu reparieren ... der Angriff auf die Natur ist ein Angriff auf die Menschheit." 

(Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, Earth Summit II, New York 1997)

Die Menschheit verheizt die Zukunft

Klimamodelle für das nächste Jahrhundert sagen vorher, daß die globale Temperatur bei anhaltend hohen Emissionen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2100 um bis zu 3.5°C ansteigen wird. Dieser Temperaturanstieg bedeutet die größte Klimaveränderung seit 10.000 Jahren und überschreitet die Fähigkeit vieler Ökosysteme, sich an diese Klimaveränderungen anzupassen.

Wissenschaftler befürchten folgende Auswirkungen : 

bulletansteigende Meeresspiegel und die Überschwemmung von Küstengebieten. Kleine Inselstaaten, wie z.B. die Malediven, sind existenziell bedroht.
bullethäufigere und extremere Wetterereignisse , z.B. langanhaltende Hitzeperioden, Überschwemmungen, Stürme und Zyklone 
bulletVerschiebung der Klimazonen in Richtung der Pole und Ausbreitung der Wüsten
bulletGefährdung der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, hervorgerufen durch außergewöhnlich intensive Dürreperioden, Hungersnöte in den südlichen Randgebieten der Sahara, in Süd-, Ost- und Südostasien und in den tropischen Regionen Lateinamerikas.
bulletBedrohung der Nahrungsmittelversorgung durch die starke Ausbreitung von Schadinsekten
bulletzunehmendes Risiko für die menschliche Gesundheit :aufgrund des wärmeren Klimas können sich Krankheiten besser ausbreiten.
bulletRückgang und Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten, da diese sich nicht an den schnellen Klimawandel anpassen können.

Vom Nordpol bis zum Südpol: die Temperaturen steigen

Klimabeobachtungen in der Arktis

bulletDie Bodentemperaturen in der westlichen Arktis Kanadas, Alaskas und in Ost-Sibirien steigen etwa zwei- bis dreimal so schnell wie im globalen Durchschnitt : fast 3° Celcius in 30 Jahren. Der Großteil des Arktischen Ozeans hat sich seit 1987 um mehr als 1°C erwärmt, und mehr als 5% des See-Eises sind in den vergangenen 15 Jahren verschwunden.
bulletDieser schnelle Anstieg der Bodenerwärmung gefährdet die Stabilität des Permafrosts, dem ganzjährlich gefrorenen Boden in der Arktis und Sub-Arktis. Bereits jetzt kann das Auftauen des Permafrost-Bodens beobachtet werden. Straßen, Pipelines und Gebäudefundamente werden dadurch zerstört, Wege und Straßen unbefahrbar. Wissenschaftlichen sagen zudem die Zerstörung großer Waldgebiete voraus. Die Lebensbedingungen vieler arktischer Lebensgemeinschaften sind bedroht.
bulletMessungen der arktischen Eiskappe haben ergeben, daß mindestens 15 Prozent des Eisvolumens von einer Fläche von 300.440 Quadratkilometer verloren gegangen sind. 
bulletDer Rückgang des Eises bedroht das Überleben von Tierarten, deren Existenz vom Eis abhängig ist, wie z.B. der Eisbär und der Polarfuchs. Vermehrter Schneefall und die Zunahme von Sommerinsekten bedrohen Karibu- und Rentierpopulationen, die für das Überleben einheimischer Völker von großer Bedeutung sind.
bulletBerichten zufolge verenden in Ost-Sibirien tausende Rentiere. Durch das wärmere Wetter fällt anstelle von Schnee Regen, welcher zu einer dünnen Eisschicht gefriert und den Tieren den Zugang zur Nahrung versperrt.
bulletDer größte Gletscher der Welt, der Bering-Gletscher in der Arktis Kanadas, ist im Laufe des letzten Jahrhunderts um 10 - 12 Kilometer geschrumpft. Dem internationalen Expertengremium der Vereinten Nationen ( IPCC ) zufolge hat das Gletscherschmelzen zu einem Anstieg des Meeresspiegels von 2 - 5 cm beigetragen. Innerhalb dieses Jahrhunderts ist der Meeresspiegel insgesamt um 10 - 25 cm gestiegen.

Europa: trocken und heiß oder "Land unter"

bullet1997 war das dritte aufeinanderfolgende Jahr mit alarmierender Trockenheit, 1996 und 1997 die trockenste Zweijahresperiode in England und Wales und Januar 1997 der vierttrockendste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen.
bulletPortugal erlebte 1997 den schlimmsten Winter seit 150 Jahren, welcher mehr als 50% der Wintergetreideernte zerstörte.
bulletIm Juli 1997 wurden Teile von Ostdeutschland, der Südwesten Polens, der Nordosten von Ungarn, Rumänien, Tschechien und der nördlichen Slowakei von den schwersten Überschwemmungen dieses Jahrhunderts heimgesucht. Wiederholte Stürme führten während dieses Monats zu sintflutartigen Regenfällen. Über eine Million Menschen wurden Opfer der Schäden, ebenso wie Handel, Landwirtschaft und die wirtschaftliche Infrastruktur. Die Überschwemmungen forderten über 100 Todesopfer, die direkten und indirekten Schäden wurden auf über 2 Millionen US-Dollar geschätzt.
bulletFür Tschechien stellen diese Überschwemmungen die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes dar. Ein Drittel des Landes versank im Juli 1997 in den Fluten. 50 Menschen wurden getötet und 5.000 Wohnungen sowie 20 Prozent der landesweiten Industrie wurden beschädigt.
bulletDie Alpengletscher in Europa schrumpfen. Der Schweizer Gruben-Gletscher hat sich in weniger als einem Jahrzehnt um 200 Meter zurückgezogen. Nach Ansicht des World Glacier Monitoring Service ist der weltweite Temperaturanstieg dafür verantwortlich.

Amerika 

bulletNach mehreren außergewöhnlich ruhigen Jahrzehnten begann 1985 eine Serie von schwersten Hurrikanen : Andrew, Hugo, Gilbert und Gloria. Das Jahr 1995 gehört seit Aufzeichnungsbeginn vor 121 Jahren zu den aktivsten Hurricane-Jahren. Ein schwerer Blizzard im März 1993, zum Jahrhundert-Sturm ernannt, legte den Westen Amerikas von Kuba bis Kanada lahm
bulletMehr als 500 Menschen starben 1995 bei der Hitzewelle in Chicago. Im Jahr darauf wurde Chicago von Rekord-Schneefällen heimgesucht.
bulletIm Januar 1997 schneite es erstmalig in Tucson, Arizona.
bulletIm gleichen Monat wurde Kalifornien von Überschwemmungen heimgesucht, 100.000 Menschen wurden obdachlos, es entstand ein Schaden von 2 Milliarden US-Dollar. Der Bundesstaat Kalifornien wurde zum nationalen Katastrophengebiet erklärt. Nach heftigen Schneestürmen im Winter und einem frühen April-Blizzard wurden im April 1997 mehrere Bundesstaaten der USA und Teile von Kanada von den sogenannten „Red River"-Überschwemmungen heimgesucht.
bulletSeit 1988 mußten Versicherungsgesellschaften in 17 Fällen Schäden mehrere Milliarden Dollar für Schäden, die durch Schneestürme, plötzliche Überschwemmungen, Hurrikane und Zyklone verursacht wurden, bezahlen.
bulletDer 1997 durch Überschwemmungen entstandene Schaden in den USA liegt bereits jetzt über 4 Milliarden US-Dollar.

China und Afrika 

bulletIm Juli 1997 wurde der Süden Chinas durch schwere Überschwemmungen, der Norden von einer schweren Dürre heimgesucht. Dadurch wurden Epidemien von Infektionskrankheiten ausgelöst.
bulletSeit Mitte der sechziger Jahre ist der durchschnittliche Regenfall in der Sahelzone und in großen Teilen Ost- und Südafrikas stark zurückgegangen. Das vergangene Jahrzehnt war für Südafrika sowohl das wärmste wie auch das trockenste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts. Die Wachstumperioden der Jahre 1991-92 und 1994-95 gehörten zu den fünf trockensten Jahren dieses Jahrhunderts. Ernteausfälle und Wasserknappheit waren die Auswirkungen.

Erwärmung der Meere

Tiefseemessungen im südlichen indischen Ozean und im Südpazifik belegen, daß eine Erwärmung der Meere stattfindet. Das Antarctic Research Center berichtet, daß sich der Indische Ozean zwischen 1962 und 1987 um mehr als 0.55°C erwärmt hat. Der Ozean ist in dieser Zeit aufgrund der wärmebedingten Expansion um mehr als 2.5 cm angestiegen ist. 

Korallensterben

Die Korallenriffe in aller Welt zeigen dramatische Veränderungen, die von Meereswissenschaftlern auf ansteigende Meerestemperaturen zurückgeführt werden. Im Februar 1994 konnte das Ausbleichen und Sterben von mehreren Tausend Quadratkilometern Korallenriff im zentralen und westlichen Pazifik beobachtet werden. Zur gleichen Zeit wurden ungewöhnlich warme Meerestemperaturen beobachtet. Seit 1979 war dies das sechste „Massensterben" von Korallenriffen. 

El Niño 

Seit Mitte der siebziger Jahre ist eine Intensivierung des natürlichen El Niño-Phänomens zu beobachten. Wissenschaftler bringen diese Veränderungen mit den Klimaveränderungen in Zusammenhang. 

Weltweit werden momentan die Anzeichen des möglicherweise stärksten El Niño-Ereignisses beobachtet. Schnell ansteigende Temperaturen der Meeresoberfläche im März dieses Jahres ließen Wissenschaftler auf ein bevorstehendes El Niño-Ereignis hinweisen. Seither sind die Temperaturen im zentralen und östlichen Pazifik stark angestiegen, mit Rekordtemperaturen im August und September. Der diesjährige El Niño ist bereits jetzt das zweitstärkste El Niño-Ereignis seit Aufzeichnungsbeginn.  

Der diesjährige El Niño hat bereits jetzt dramatische Auswirkungen : Indonesien erlebt die schlimmste Dürre seit 50 Jahren und die Reisernten im gesamten asiatisch-pazifischen Raum bleiben aus; große Gebiete Australiens und Südafrikas leiden ebenfalls unter schweren Dürren; Costa Rica und Bolivien haben den Ausnahmenzustand aufgrund ausbleibender Ernten erklärt, in Kalifornien erwartet man schwere Überschwemmungen. 

Ausbreitung von Krankheiten 

Die Klimaveränderungen können dazu beitragen, daß Schädlinge und Krankheiten sich unkontrolliert vermehren und verbreiten.

bulletDie Gelbfieber und Dengue-Fieber übertragenden Moskitos waren bislang nur in Regionen unterhalb von 1.000 Metern anzutreffen. Jetzt kann man sie in Indien und Kolumbien in Höhen von über 2.200 Metern finden.
bulletIn Pakistan wurde durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur von 0.5°C wurde der Entwicklungszeitraum eines Malaria-Parasits entscheidend verlängert. Die Häufigkeit von Malariafällen ist von einigen Hundert Fällen Anfang der 80er Jahre auf mehr als 25.000 in den 90er Jahren angestiegen.
bulletIn Ruanda konnte beobachtet werden, daß ansteigende Temperaturen und Rekordregenfälle zwischen 1961 und 1990 mit einem Anstieg der Häufigkeit und einer größeren geographischen Ausbreitung von Malaria verbunden waren.

Antarktis : das "ewige Eis" des siebten Kontinents zerfällt 

Im Januar 1997 startete Greenpeace mit der MV Arctic Sunrise zu einer Expedition zur westantarktischen Halbinsel. Im Laufe der letzten 50 Jahre ist die Durchschnittstemperatur auf der Halbinsel um 2.5°C angestiegen. Dies ist der weltweit größte regionale Temperaturanstieg. Wissenschaftler sagten bereits seit längerem vorher, daß sich die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels zuerst und am dramatischsten in den Polarregionen bemerkbar machen. Die Temperaturerhöhung in den Polarregionen kann das 1.5 - 4fache der durchschnittlichen globalen Temperaturerhöhung betragen. Diese Veränderungen können schwerwiegende Auswirkungen auf die Meerestemperatur, die Wasserströmungen, die jahreszeitliche Eisbedeckung des Meeres und die Stabilität des Schelfeises haben. Diese Vorhersagen werden durch die bereits jetzt zu beobachtenden Veränderungen in dieser Region belegt:

bulletIn den vergangenen fünf Jahren sind fünf der nördlichsten Eisschelfe der westantarktischen Halbinsel zusammengebrochen.
bulletDie Arctic Sunrise konnte aufgrund des Zusammenbruchs des Larsen A - Eisschelfs in Gebiete vordringen, die bislang nicht per Schiff zu erreichen waren. Als erstes Schiff hat die Arctic Sunrise die James Ross-Insel umfahren, eine Insel, die bis vor zwei Jahren durch eine dicke Eiszunge mit dem arktischen Kontinent verbunden war.
bulletDie Greenpeace-Expedition fand tiefe Risse im Larsen B-Eisschelf. Wissenschaftler befürchten, daß dieser Teil als nächster kollabieren wird. Einige der Risse sind mehr als 30 Kilometer lang und breit wie eine sechsspurige Autobahn.
bulletWissenschaftler des British Antarctic Survey sagen vorher, daß bei einem anhaltenden Temperaturanstieg andere nahegelegene Schelfeise bedroht sind.
bulletIn den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Adelie-Pinguine aufgrund der aus dem Gleichgewicht geratenen Lebensbedingungen auf der westantarktischen Halbinsel erheblich zurückgegangen.

"Durch unsere Unfähigkeit, die Warnungen der wissenschaflichen Welt hinsichtlich einer Reduzierung der Verbrennung fossiler Energieträger zu beachten, führen wir ein globales Experiment an allen Lebewesen der Erde, die Menschheit inbegriffen, durch. Der Ausgang dieses Experiments kann von niemandem vollständig vorhergesagt werden.

 Mit dem Wissen über die gesundheitlichen Auswirkungen durch die Zerstörung der Ozonschicht hat die Weltgemeinschaft die Kontrolle der Freisetzung ozonzerstörender Stoffe beschlossen. Wird sie auch in der gleichen dringlichen Weise auf die Bedrohung des Lebens durch die vom Menschen verursachten globalen Klimaveränderungen reagieren und ein strenges Abkommen zur  Kontrolle der Treibhausgase verfassen?"

(Eric Chivian und Paul Epstein, Harvard Medical School)


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